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Was tut eigentlich eine FÖJlerin?

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Linda Gawantka hat ihr freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) bei verschiedenen Umweltbildungseinrichtungen in Eckernförde verbracht: neben GreenScreen bei den UTS-Projekten OstseeInfoCenter, EichhörnchenSchutzStation und im UmweltInfoZentrum. Wie das aus ihrer Sicht funktioniert hat, beschreibt sie im folgenden Bericht, den zu veröffentlichen sie uns freundlicherweise erlaubt hat. Auch dafür: Danke, Linda, mach's gut - und melde dich mal!

Abschlussbericht FÖJ von Linda Gawantka

Linda füttert die Schweinswale im OICDie letzten Monate gingen so viel schneller vorüber, als ich geglaubt hätte.

Wie die Zeit im Flug vergehen kann, wenn man Spaß an seiner Arbeit hat!

Parallel zu den Sonnenstunden mehrten sich meine Aufgaben in diesem Frühjahr zusehends. Es ging wieder raus ins Wasser und zurück zu den Eichhörnchen.

Ich war im Winter durchgehend im Ostsee Info-Center, die Eichhörnchen hielten ihre Winterruhe und bei GreenScreen gab es im Winter ebenfalls wenig zu tun. Im OIC gibt es dagegen immer etwas zu tun, die Fische müssen täglich gefüttert werden, die Scheiben geputzt und die Besucher, die auch ab und zu in der kalten Jahreszeit hereinschneiten, betreut werden. Während dieser Zeit hatte man sehr viel Freiraum in dem man sich mit anderen Themen und Aufgaben beschäftigen konnte. Ich habe Schilder für die Ausstellung erstellt, Kindergeburtstage und erste Führungen durchgeführt, Fotos für Ausstellung und Homepage gemacht und bearbeitet und mir Wissen angeeignet.

 

Die Bearbeitung der Schilder über Muscheln und Würmer für die Ausstellung hat mir sehr viel Freude bereitet, ich konnte über die Tiere etwas lernen und mich mit der Kamera und Photoshop ausprobieren.

Natürlich gab es während dieser Phase auch Aufgaben, die weniger Spaß gemacht haben, wie z.B. das Ankleben getrockneter Blätter an einen Ausstellungsbaum über mehrere Stunden oder  das Putzen unseres Quarantänebeckens, das vollkommen schlammig war, aber noch ein oder zwei Fische beherbergte, die mich dann erschreckten.

Während die Tierwelt draußen langsam auftaute, kamen weitere Aufgaben auf mich zu. Ich wurde mit dem Binokular mit eingebauter Kamera immer vertrauter. Wir fingen Plankton aus der ersten Planktonblüte, fanden die Eier einer Strandkrabbe und einer Strandschnecke und eine seltene Art Mysis und legten sie alle unter das Binukular und fotografierten sie. Die Bilder sind für unser Archiv oder für die Besucher, über Ostern half ich bei einer Sonderausstellung über Fischeier mit, für die auch die Bilder der Strandkrabbeneier verwendet wurden.

StrandkrabbeneierAls die ersten Keschergruppen bei uns im Flachwasser nach kleinen Tieren suchten, war ich mit dabei. Wir haben mehrere Mitarbeiter, die diese Keschergruppen führen und als FÖJlerin hat man das Glück, sich alle angucken zu dürfen. Man nimmt dabei eine Menge mit, schaut sich bestimmte Erklärungen ab, die man toll findet und lernt jedes Mal wieder etwas dazu. Irgendwann hatte ich dann auch meine erste Keschergruppe, am Anfang waren immer noch andere Mitarbeiter dabei, inzwischen bin ich meistens alleine mit denen draußen und nur bei zu großen Gruppen kommt noch jemand während des Kescherns mit raus.

Teilweise nimmt man die gefangenen Tiere aus dem Flachwasser mit in die Ausstellung und setzt sie dann in die Becken. Seenadeln, Stichlinge, kleine Plattfische, Wattwürmer und Grundeln können in unsere Aquarien zur Anschauung gesetzt werden, andere Tiere wie die Stein- und Sandgarnelen werden an unsere  größeren Bewohner verfüttert. Das Rein-, Raus- und Umsetzen der Fische und anderer Meeresbewohner ist ebenso eine Aufgabe von mir. Man lernt zu erkennen, wenn sich die nächste Strandkrabbe häuten will und nach dem ersten naiven Mal, als man sie im Becken ließ, ist man nun tunlichst hinterher sie umzusetzen.

Vor ein paar Wochen war unser Künstler im OIC und hat dort eine Ausstellung mit Landart auf dem Dach vorbereitet. Dabei habe ich ihm geholfen aus verschiedenen Stöckern einen großen Stöckerstern herzustellen, der allein durch  sich selber getragen wird.

Das Dach ist auch der Ort, für den ich mir ein weiteres Projekt ausgedacht habe. Man kann vom Dach aus den Hafen und Teile der Ostsee und des Strandes überblicken. Im Winter ist mir aufgefallen, dass man mit dem dort montierten Fernglas die Vögel auf der Ostsee und am Strand gut beobachten kann. So kam mir die Idee einer Vogelkarte, die man sich oben aus einem Ständer nehmen und einmal in jeder Richtung nach Vögeln gucken kann. Der Künstler, der oben den botanischen Dachgarten betreut, wird dazu eine Karte über die Pflanzen, die dort wachsen, machen. Dazu werde ich ca. 20 Vögel auf Aquarell malen und sie dann auf dem Computer verkleinern und auf einem Zettel arrangieren. Ich hoffe, dass ich das noch vor dem Ende meines FÖJs fertig stellen kann.

Landart auf dem Dach des OICDie Arbeit im OIC hat mir sehr viel gegeben. Ich habe gelernt vor größeren Gruppen frei zu reden und mich auch ohne Notizen wohl zu fühlen. Durch die ständigen Besucher, auf die man zugeht, bin ich im allgemeinen Kontakt mit Menschen sehr viel offener und selbstsicherer geworden. Sein Wissen anderen weiterzugeben macht mir richtig viel Spaß, ich freue mich, wenn ich sehe, dass ich Kinder faszinieren oder Menschen älteren Jahrgangs wieder einen kleinen Aha-Moment beschaffen konnte. Man lernt auch mit schwierigen Menschen umzugehen, mit Menschen die sich beschweren oder einfach einen schlechten Tag haben und das an anderen auslassen. Der Umgang mit Schülern ist in dieser Hinsicht auch sehr interessant. Herauszufinden, wie man am besten auf bestimmte Klassen jedweder  Herkunft und Stufe zu geht und ihnen genau die Menge an Wissen vermittelt, die sie spannend finden, ist eine ziemliche Herausforderung. Man merkt auch immer wieder die wichtige Rolle der Lehrer, das Verhalten einer Klasse hat so viel mit der Fähigkeit eines Lehrers zu tun und es ist eine wahre Kunst ein guter Lehrer zu sein.

Beim KeschernNeben diesem menschlichen Aspekt, den ich hier lernen konnte, habe ich aber auch sehr viel naturwissenschaftliches (hauptsächlich biologisches) Wissen mitnehmen können. Durch die Betreuung der Meeresbiologen, Geografen und erfahrenen Mitarbeitern konnte ich so viel in Erfahrung bringen, dass ich richtig Lust auf das Studieren bekam. Ich habe so viel über die verschiedenen Tierarten und das ganze Ökosystem Ostsee an sich gelernt und es gibt noch so viel, das man herausfinden kann. Es gibt unzählbar faszinierende Bereiche in der Natur, so geschickte Einnieschungen, sodass man nur staunend den Mund offen stehen lassen kann. Gleichzeitig gibt es aber auch so viele Probleme durch uns Menschen, wir wirken quasi auf jeder Ebene negativ auf die Natur ein und dafür eine Lösung zu finden scheint mir unmöglich. Ich halte unsere Natur für absolut schützenswert, aber wie soll man etwas schützen, was man nur in Bruchteilen versteht? Die Arbeit im OIC hat mir gezeigt, wie sehr ich mich für unsere Umwelt interessiere und in mir den dringenden Wunsch geweckt mehr zu lernen.

Ich bin letztendlich für meine Berufswahl auf Lehramt an Gymnasien gekommen, weil ich von meinem FÖJ eben diese beiden Aspekte in besonderer Weise mitnehme. Ich habe gemerkt, wie viel Spaß mir diese Aufgaben bereitet haben, zum einen das Wissen selber zu erlangen, zum anderen dann aber auch dieses direkt weiter zu geben. Das Wissen um meinen Berufswunsch ist genau das, was ich mir von diesem Jahr erhofft habe und ich bin froh, nun relativ zuversichtlich mein Studium anzutreten.

Im Frühjahr habe ich ein paar Tage die Woche wieder bei GreenScreen gearbeitet. Es war die Phase der Filmeinreichungen für das nächste Festival.

Über 200 Filme wurden eingereicht und mussten für die Jurysitzung bearbeitet werden. Das heißt, Übertragen von Daten in alle möglichen Exeltabellen und die Herstellung einer Bewertungsliste für die Jury. Die Aufgaben bei GreenScreen sind sehr viel bürolastiger, als es in der Stellenbeschreibung klingt, man sitzt sehr viel vor dem Computer und tippt Daten ein. Man räumt um und sortiert oder verteilt Plakate. Man arbeitet mehr im Hintergrund und hilft den Festivalleitern, als dass man konkret bei der Jurysitzung oder bei anderen Aktionen dabei ist. Trotzdem kann man von der Arbeit sehr viel mitnehmen, man lernt sehr viel über Tabellen und wie wichtig es ist, ein ordentliches Archiv zu führen. Während dem Festival hatte man natürlich viel mehr mit dem Naturfilm und den Filmemachern direkt zu tun, was sehr spannend war. Aber einem wird auch klar, wie viel Arbeit hinter so einem reibungslosen Ablauf während des Festivals steckt.GreenScreen - Helfertreffen

Listen schreiben war noch nie und wird wohl auch nie meine liebste Beschäftigung werden, auch wenn da drin sehr viel Meditation und Konzentration steckt. Man merkt aber, wie sich die kleinen Arbeitsschritte in ein Ganzes fügen und das Festival vorantreiben. Wenn man nur das Ergebnis sieht, kann man sich gar nicht vorstellen, was alles dahinter steckt, sobald man aber einen Einblick hatte, sieht man das ganz deutlich und wundert sich, dass es funktioniert.

Die Eichhörnchen kamen im Frühjahr als weitere Einsatzstelle hinzu. Ein paarmal in der Woche war ich nun bei den kleinen Rackern und half morgens beim Füttern mit und nachmittags bei der Besucherbetreuung. Ich flocht einen Weidenzaun und beobachtete ansonsten das Leben der beeinträchtigten Eichhörnchen. Angemeldeten Gruppen gab ich Führungen, anderen Besuchern erzählte man kurz etwas über unsere Dauergäste und die Paten ließ man ins Gehege und versuchte ein waches Eichhörnchen zu finden.

Bei dem Sommerfest im Umwelt Info-Zentrum, auf dessen Gelände sich die Eichhörnchenschutzstation befindet, konnte ich tatkräftig mithelfen, backte Crepes oder half beim befüllen des Lehmofens.

Kurz davor hatte sich Moni Rademacher, die „Eichhörnchenmutti“ bei mir gemeldet und mich gefragt, ob ich nicht 6 Mäusebabys großziehen wolle.

Wollte ich natürlich und so kamen die 6 kleinen Mäuslein zu mir. Die 6 brauchten alle 4 Stunden etwas zu trinken und wehe es war nicht warm genug, dann fingen sie an zu streiken. Als ich sie bekam, waren sie alle kleiner als mein Daumen, kaum mit Fell bedeckt, Augen und Ohren waren noch geschlossen und über ihren Gelenken  sah man ihren Babyspeck. Sie tranken 1ml pro Fütterung und dabei ging die Hälfte immer daneben und ins Fell. Das war am Ende so eine Schweinerei, dass sie gebadet werden mussten, ob denen das Spaß machte, weiß ich nicht, sie sahen dabei aber enorm putzig aus. Nach 3-4 Wochen habe ich sie dann an eine ehemalige Praktikantin abgegeben, die große Terrarien hatte, in denen sie bis zur Auswilderung lebten.

MäusebabyWährend dessen habe ich mir oft die Frage gestellt, warum ich den Stress auf mich nehme 6 kleine Mäuse groß zu ziehen, von denen es doch in der Natur so viele gibt. Letztendlich kam ich immer wieder darauf, dass wir die Mutter verscheucht haben und somit Schuld an der Lage der Babymäuse hatten. Wir trugen also auch die Verantwortung für das Leben dieser kleinen Mäuse, die es ohne den Einfluss des Menschen sicher ohne unser Zutun groß geworden wären.

Inzwischen bin ich jeden Morgen bei den Eichhörnchen und helfe beim Füttern.

Es gab in letzter Zeit einen etwas größeren Wechsel bei den Ein-Euro-Jobbern, weshalb ich nun auch zum Teil für deren Anweisung da bin.

Die Nachmittage verbringe ich im OIC, da für die Besucherbetreuung genügend Kräfte anwesend sind.

Bei der Eichhörnchenschutzstation lernt man den Umgang mit sozial schwächeren Menschen. Das kann sehr anstrengend sein, ist aber auch eine Erfahrung wert. Man merkt, wie man mit ihnen am besten umgeht und vor allem lernt man, dass man Menschen ohne Vorurteile und ohne voreilige Meinungen betrachtet. Meistens haben Menschen einen Grund für ihr Verhalten und meinen es nicht persönlich, wenn sie mal etwas ruppig werden. Einige von ihnen haben auch einfach nur Pech im Leben gehabt und sind mit ihrer Lage unzufrieden. Wenn man offen bleibt und sich nicht aufspielt, kann man auch mit ihnen ohne Probleme zusammen arbeiten und Spaß haben.

Die Seminare fand ich im Großen und Ganzen gut. Ich fand es schön, die anderen FÖJler kennenzulernen und an den verschiedenen Orten zu treffen.

Etwas schade finde ich, dass die Themen so absolut frei wählbar sind.

Teilweise kamen mir die Inhalte etwas zu wahllos vor und ich wusste nicht recht, was mir der kleine Einblick in dieses oder jenes eigentlich bringen soll. Etwas mehr sinnvolle Arbeit auf den Seminaren wäre vielleicht schöner gewesen. Die Rahmenbedingungen meines FÖJs kamen eigentlich immer recht kurz auf den Seminaren, meistens war das aber ausreichend. Von den FÖJ-Gremien habe ich persönlich nicht allzu viel mitbekommen, aber auf den Seminaren wurden wir eigentlich von unseren Vertretern genügend informiert.

Das Bewerbungsverfahren was ich in diesem Jahr beobachten konnte, fand ich an sich sehr gut. Die Bewerbungen waren sehr unterschiedlich, wie sie geschrieben waren, aber auch wie die Bewerber hier auftraten. Ich fand es sehr interessant so ein Bewerbungsverfahren zu begleiten und zu sehen, wie es auf der Seite der Auswählenden aussieht. Ich denke, dass mir dieser Einblick auch bei zukünftigen Bewerbungsgesprächen helfen wird.

Meine Haltung zu Natur- und Umweltschutz hat sich eigentlich nicht verändert, ich habe neue Konzepte kennengelernt, auf die ich sicher zurück greifen werde, im Allgemeinen bin ich noch der Ansicht, dass jeder sein kleines Stück dazu geben muss um unsere Welt so wie sie ist zu schützen. Ich habe auf jeden Fall sehr viele Ideen mitgenommen, wie ich selber mein Leben ökologisch gestalten kann und nun werde ich sehen, wie viel ich davon in der Zukunft auch umsetzen werde.Miss Marple & Linda

Ich werde mein FÖJ auf jeden Fall in sehr positiver Erinnerung behalten, ich bin froh, dass ich mir dieses Jahr Zeit genommen habe. Ich habe so viel gelernt, über mich selber, über den Umgang mit Mensch, über Meeresbiologie, Fischhaltung, Eichhörnchenaufzucht und Festivalplanung. Das hätte ich so niemals aus einem Studium mitnehmen können. Ich habe das Gefühl, dass ich sehr viel sicherer geworden bin und das ist neben all den unzähligen anderen Erfahrungen, dass, was mir am wichtigsten ist. Ich kann all den jungen Schulabgängern draußen nur empfehlen sich Zeit zu nehmen und etwas Praktisches zu machen und wenn es passt, ein FÖJ. Ich glaube, dass man in dieser schnellen Welt einmal etwas Ruhe braucht, um durchzuatmen und zu erkennen, was man selber (wissen) will. Und Ein FÖJ war dafür für mich genau richtig. Ich habe viel gelernt, aber ich hatte auch viel Zeit um einmal durchzuatmen und mich zu fragen, was ich wirklich von meinem Leben will.

 

Ich danke allen, die mir dieses FÖJ möglich gemacht haben.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 11. August 2014 um 12:05 Uhr  

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Das Sommerfest im interkulturellen Garten / im „Kleinen Weiißen Haus“ in Nortorf findet am Samstag, dem 9.6.2018, ab 15 Uhr statt. Viele Ehrenamtliche sowie Thomas Schiefke und seine Kolleg*innen freuen sich auf viele Gäste und tolles Wetter.